Zur Informationsseite der Stadt Aachen
Ganz im Sinne unseres Wahlversprechens für mehr Bürgerbeteiligung und gegen die andauernde Bevormundung der Bürgerinnen und Bürger, beschränkt das BSW sich hiermit auf die Bereitstellung der notwendigen und möglichst objektiven Informationen, sodass Sie, als der Souverän, bestmöglich selbst entscheiden können, ob eine Olympia-Bewerbung der Stadt Aachen in Ihrem Sinne ist!
Positive Effekte
Die positiven Effekte einer Olympia-Bewerbung wurden bereits großflächig und wiederholt von anderen Akteuren argumentiert; nicht zuletzt unter Zuhilfenahme von 9,5 Millionen Euro für die Bewerbungskampagne durch die Landesregierung NRW aus der Sportstättenförderung. Deshalb werden diese hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt: Förderung von Gemeinschaftsgefühl und Identifikation, Inspiration für junge Menschen, Bildung, Sportkultur- und Jugendarbeit, Förderung des (Breiten-)Sports, Inklusion und Teilhabe, Vernetzte und nachhaltige Mobilität, Digitalisierung, Verstärker von Infrastrukturprojekten, positive Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, Internationale Stärkung des Images.
Negative Effekte
In der wichtigen Debatte um eine mögliche Olympiabewerbung kommt ein entscheidender Punkt zu kurz: die deutliche Benennung der negativen Effekte. Die Stadt Aachen steht bereits heute vor erheblichen Herausforderungen. Seit Jahren verschärfen sich soziale Probleme wie Wohnungsnot, steigende Mieten, zunehmende Obdachlosigkeit, Verwahrlosung und Drogenkonsum im öffentlichen Raum. Gleichzeitig besteht ein massiver Sanierungsstau bei Schulen und Sportstätten. Die oben aufgezählten positiven Effekte helfen bei diesen Problemen, wenn überhaupt, nur kurzfristig. Angesichts der angespannten Haushaltslage vieler NRW-Kommunen und der strengen Sparvorgaben der Gemeindeordnung NRW ist eine sorgfältige Analyse der finanziellen Risiken einer Olympiabewerbung unerlässlich. Die Stadtverwaltung hat in den vergangenen Monaten wiederholt auf die äußerst schwierige finanzielle Situation Aachens hingewiesen. Erfahrungen aus der Vergangenheit mahnen zur Vorsicht: Eine Studie der Universität Oxford¹ belegt, dass alle Olympischen Spiele zwischen 1960 und 2013 ihre geplanten Kosten deutlich überschritten haben – im Durchschnitt um 179%. Damit zählen Olympische Spiele zu den finanziell riskantesten Megaprojekten überhaupt.
Die entstehenden Kosten verbleiben in der Regel bei den Kommunen – und damit bei den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern, also bei Ihnen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlangt von Gastgeberstädten regelmäßig eine unbegrenzte Bürgschaft für alle Verluste; das ist für eine hochverschuldete Stadt wie Aachen haushaltsrechtlich äußerst problematisch. Das Beispiel Montreal zeigt die langfristigen Folgen: Nach den Spielen 1976 mussten die Bürgerinnen und Bürger dort bis 1996 eine Sondersteuer zur Schuldentilgung zahlen. Die Oxford-Studie warnt daher ausdrücklich vor den erheblichen finanziellen Risiken einer Olympia-Ausrichtung.
Kultur und Sport sind wichtig und nicht ausschließlich in Geld zu messen. Dennoch müssen die tatsächlichen Kosten realistisch betrachtet werden. Am Ende entscheiden Sie, ob Sie in der aktuellen Lage bereit sind, mögliche finanzielle Belastungen für die erhofften positiven Effekte in Kauf zu nehmen – denn schließlich geht es um Ihr Geld und um Ihre Stadt.
