Kommunal1

Fulminanter Protest-Auftakt für ein ernstes Thema

Bündnis „Beverau statt Militärausbau“ mobilisiert mehr als 150 Menschen gegen die geplante Erweiterung der Militärflächen

Bei bestem Septemberwetter versammelten sich am 27. September 2026 bis zu 160 Menschen an der „Fuchserde“ am Westfriedhof, um gegen den geplanten Ausbau militärischer Liegenschaften in Aachen und die damit verbundenen Folgen für Umwelt, Klima und Stadtgesellschaft zu protestieren.

Die strahlende Septembersonne konnte nicht darüber hinwegtäuschen, worum es den Demonstrierenden ging: Mit der geplanten Erweiterung der Dr.-Leo-Löwenstein-Kaserne am Kornelimünsterweg soll ein Teil der Beverau bebaut werden. Die Fläche ist als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und hat eine wichtige Bedeutung für die Kaltluft- und Frischluftversorgung Aachens.

Gerade angesichts des fortschreitenden Klimawandels sei es unverantwortlich, eine solche für das Stadtklima wichtige Freifläche zu bebauen, erklärte Markus Kirch von der Freien Linken in seiner Auftaktrede. Für ihn gehe es allerdings nicht allein um ökologische Fragen. Mit dem Ausbau militärischer Infrastruktur steige aus seiner Sicht auch die Gefahr, dass Aachen im Falle eines Krieges selbst stärker zum militärischen Angriffsziel werde.

„Unsere Abschreckung ist Russlands Bedrohung – und umgekehrt“, so Kirch.

Umweltschutz darf nicht dem Militärausbau geopfert werden

Katja Pustowka, stellvertretende Aachener Kreisvorsitzende des BSW, stellte in ihrer Rede den Zusammenhang zwischen dem beschleunigten Ausbau militärischer Infrastruktur und den Veränderungen im Umwelt- und Planungsrecht her.

Die Bundesregierung hat 2026 tatsächlich Gesetzesvorhaben auf den Weg gebracht, mit denen militärische Infrastruktur schneller geplant und gebaut werden soll. Vorgesehen sind dabei unter anderem Ausnahmen im Umwelt- und Naturschutzrecht. Rechtsschutzmöglichen werden eingeschränkt.

Pustowka kritisierte, dass der von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius propagierte „schnelle und unkomplizierte Ausbau von Kasernen“ damit zunehmend auf Kosten bisheriger Schutz- und Beteiligungsstandards gehen könne. Wo Verfahren verkürzt, Zuständigkeiten verändert und kommunale Einflussmöglichkeiten eingeschränkt würden, stelle sich deshalb auch eine demokratische Frage.

„Das Militär darf nicht zum Staat im Staate werden“, so Pustowka. Der Widerstand gegen den Ausbau der Beverau sei deshalb nicht nur ein Kampf für den Erhalt einer wichtigen Grün- und Kaltluftfläche, sondern auch ein Kampf um demokratische Kontrolle und die Frage, welchen Stellenwert Umwelt- und Klimaschutz in Zeiten zunehmender Militarisierung noch haben.

Bündnis will wachsen

Vor den Toren der Kaserne rief Andrej Hunko, unter anderem NRW-Landesvorsitzender des BSW, dazu auf, das neu gegründete Bündnis „Beverau statt Militärausbau“ weiter auszubauen.

Das Bündnis stehe für den Widerstand gegen Militarismus ebenso wie für den Schutz von Natur und Umwelt. Gleichzeitig sei es ausdrücklich offen für Menschen und Initiativen, die sich vor allem für den Erhalt der Beverau und ihrer Bedeutung für das Aachener Stadtklima einsetzen.

Denn die Kritik am geplanten Ausbau verbindet unterschiedliche Anliegen: den Erhalt der Landschaft, den Schutz des Stadtklimas und der Kaltluftversorgung, aber auch grundsätzliche Fragen zum Kurs der Bundesrepublik bei Aufrüstung und Militarisierung.

Hunko kündigte zudem an, dass das BSW auch über den BSW Ratsvertreter Kirill Karasev kommunalpolitisch am Ball bleiben werde und den Oberbürgermeister Michael Ziemons drängen werde, seine Verantwortung für die Stadt und ihre Bürger gegenüber dem Militär wahrzunehmen.

Musik, Erinnerungen und ein Spaziergang zur Beverau

Musikalisch begleitet wurde die Demonstration von Ralf Haupts und Tatjana Schwarz. Ralf Haupts präsentierte seine neue Komposition „Beverau, vergiss nicht“, Tatjana Schwarz sang unter anderem den Evergreen der Friedensbewegung „Sag mir, wo die Blumen sind“.

An die Auftaktkundgebung schloss sich ein etwa drei Kilometer langer Protestspaziergang zur Beverau und zurück an.

Eine besondere persönliche Note erhielt der Spaziergang durch einen Rückblick von Ralf Haupts an einer alten Bunkeranlage. Der Ort ist eng mit seiner Familiengeschichte verbunden und machte zugleich deutlich, dass die Geschichte von Krieg und militärischer Bedrohung in Aachen keineswegs abstrakt ist.

An der Beverau angekommen, erläuterte Andrej Hunko die Bedeutung der dortigen Kaltluftschneise. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde ihre Wirkung an diesem warmen Septembertag unmittelbar erfahrbar: Der Temperaturunterschied und die frische Luft machten anschaulich, was in wissenschaftlichen Untersuchungen zur Bedeutung der Fläche für das Aachener Stadtklima beschrieben wird.

Der erste Protesttag des Bündnisses machte damit deutlich: Der Widerstand gegen den geplanten Militärausbau auf der Beverau hat begonnen.

Und er soll weitergehen.